Hybridkraftwerk: LFP-Batteriespeicher in das Wasserkraftwerk Allersdorf integriert

LFP-Batteriespeicher in das Wasserkraftwerk Allersdorf
July 14, 2026

Die Stadtwerke Amstetten erweitern ihr Portfolio erneuerbarer Energien durch die Integration eines Lithium-Eisenphosphat-(LFP)-Batteriespeichersystems (BESS) mit einer Leistungvon 1 MW / 2 MWh in das Laufwasserkraftwerk Allersdorf. Das Projekt kombiniert erneuerbare Stromerzeugung und Energiespeicherung, um Netzdienstleistungen bereitzustellen, den Stromhandel zu optimieren und die Versorgungssicherheit zu erhöhen. Darüber hinaus ermöglicht die Anlage einen blackoutfähigen Inselbetrieb und trägt so zu einer resilienteren Energieversorgung bei.

Hybrides Wasserkraft- und Batteriespeichersystem

Die Kombination von Wasserkraft und Batteriespeicherung ermöglicht den Betrieb der Anlage als vollständig integrierte Flexibilitätsressource. Dadurch kann sie noch schneller auf Marktsignale und Netzanforderungen reagieren und ihre Flexibilität optimal einsetzen.

Das Laufwasserkraftwerk ist mit zwei Kaplan-Turbinen ausgestattet und verfügt über eine installierte Gesamtleistung von 3,49 MW. Es erzeugt jährlich rund 15 GWh erneuerbaren Strom. Ergänzt wird die Anlage nun durch einen LFP-Batteriespeicher mit einer Leistung von 1 MW und einer nutzbaren Speicherkapazität von 2 MWh.

Zentrale Anwendungsfälle: Flexibilitätsvermarktung, Netzdienstleistungen und Stromhandel

Das Hybridsystem wurde darauf ausgelegt, den Wert der Anlage über verschiedene Strommärkte und Netzdienstleistungen hinweg zu maximieren.

1. Regelenergie und Systemdienstleistungen

Der Batteriespeicher stellt Sekundär- und Tertiärregelenergie (SRR und TRR) bereit und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Netzstabilität in Österreich.

  • Präqualifiziert durch die Austrian Power Grid (APG)
  • Aktive Vermarktung seit Februar 2026
  • Bei negativer Aktivierung kann Energie direkt aus dem Wasserkraftwerk aufgenommen werden, ohne Strom aus dem Netz zu beziehen

2. Intraday-Optimierung

Der Batteriespeicher ermöglicht die untertägige Verschiebung der Wasserkrafterzeugung, sodass die Stadtwerke Amstetten flexibel auf kurzfristige Preisänderungen am Strommarkt reagieren können.

3. Optimierung des Stromhandels

Durch die Nutzung kurzfristiger Strommärkte unterstützt das System:

  • Maximierung der Erlöse durch Arbitragehandel
  • Höhere Einsatzflexibilität durch schnelle Reaktion auf Marktpreisschwankungen

4. Spitzenlastmanagement und Netzunterstützung

Der Batteriespeicher ist hinter dem Netzanschlusspunkt (Behind-the-Meter) auf Mittelspannungsebene angeschlossen und ermöglicht:

  • Ausgleich von Lastspitzen (Peak Shaving)
  • Spannungsstabilisierung und Bereitstellung von Blindleistung (optional)

Diese Kombination aus Wasserkraft und Batteriespeicher eröffnet zusätzliche Erlöspotenziale, verbessert die Flexibilität der Anlage und stärkt gleichzeitig die Stabilität des Stromnetzes.

Technische Integration: Behind-the-Meter-Flexibilität

Der Batteriespeicher ist direkt mit den beiden Kaplan-Turbinen verbunden und über eine eigene Sammelschiene auf der Mittelspannungsebene hinter dem Netzanschlusspunkt (Behind-the-Meter) integriert. Dadurch werden Lastspitzenausgleich, eine höhere Flexibilität bei der Stromvermarktung sowie ein größerer Beitrag zur Netzstabilität ermöglicht.

Das Speichersystem wird über das zentrale Leitsystem der Stadtwerke Amstetten GmbH gesteuert. Dieses ist sowohl mit dem Battery Management System (BMS) als auch mit dem Energy Management System (EMS) des Herstellers verbunden. Die Vermarktung der Speicherkapazität erfolgt durch CyberGrid, das über eine Modbus-RTU-Schnittstelle an das System angebunden ist.

Reicht die Leistung der Kaplan-Turbinen für eine bestimmte Aktivierung nicht aus, kann zusätzliche Energie aus dem öffentlichen Stromnetz bezogen werden.

Erlösoptimierung mit der CyberNoc-Plattform von CyberGrid

Die Flexibilität der kombinierten Anlagen wird von CyberGrid über die Optimierungs- und Handelsplattform CyberNoc auf den kurzfristigen Strommärkten vermarktet. Die Stadtwerke Amstetten profitieren dabei von der Teilnahme an der SRR und der TRR sowie von einer marktübergreifend optimierten Einsatzplanung der Anlage.

Mehr über die ersten Projektentwicklungen erfahren.

Blackout-Resilienz: Fähigkeit zum Inselbetrieb

Eine zentrale Innovation des Projekts ist die blackoutfähige Inselbetriebsfunktion. Im Falle eines großflächigen Stromausfalls kann das Batteriespeichersystem als intelligenter Puffer zwischen Stromerzeugung und Stromverbrauch fungieren.

Das Laufwasserkraftwerk ist in der Lage, eine Mindestleistung von rund 300 kW bereitzustellen und damit über längere Zeiträume eine stabile Notstromversorgung sicherzustellen.

Im Inselbetrieb könnten die zentralen Einrichtungen der Stadtwerke Amstetten GmbH – einschließlich des Kraftwerksgebäudes, der Bürogebäude und der Werkstätten – mit elektrischer Energie versorgt werden. Dadurch wäre es möglich, den Betrieb kritischer Infrastrukturen für die Strom-, Trinkwasser- und Fernwärmeversorgung auch während eines Blackouts aufrechtzuerhalten.

Ein innovatives Hybridkraftwerksportfolio

Mit einer Geschichte von mehr als 120 Jahren ist das Laufwasserkraftwerk Allersdorf ein zentraler Bestandteil der erneuerbaren Energieversorgung in der Region. Die Integration eines Batteriespeichersystems stellt einen strategischen Meilenstein in der Weiterentwicklung des Energieportfolios der Stadtwerke Amstetten dar. Durch die Kombination bewährter Wasserkrafterzeugung mit moderner Speichertechnologie werden bestehende Anlagen zu einem flexiblen und zukunftsfähigen Energiesystem weiterentwickelt.

Ziel des Projekts ist der Aufbau eines innovativen Hybridkraftwerksportfolios, das die Effizienz bestehender Erzeugungsanlagen maximiert und gleichzeitig zusätzliche Wertschöpfung durch netzdienliche Leistungen und die Teilnahme an Energiemärkten erschließt.

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