Neue Podcast‑Veröffentlichung mit The Energy Bridge, mit Fokus auf Battery Energy Storage Systems (BESS), Marktmodelle und Netzflexibilität. In dieser Folge haben sich Thomas Rosenzopf, Managing Director bei enervis, und Nikolaj Candellari, Market Intelligence Team Lead bei CyberGrid, zusammengefunden, um eines der drängendsten Themen der Energiewende zu beleuchten: wie BESS und digitale Flexibilitätslösungen die europäischen Strommärkte neu gestalten.
Die Episode konzentriert sich auf Österreich und die Region Mittel- und Osteuropa (CEE) und bietet fundierte Einblicke in die sich wandelnde Rolle von virtuellen Kraftwerken (VPPs), Marktdesign und Netzflexibilität in einem zunehmend erneuerbaren Energiesystem.
Der Podcast behandelt eine Reihe zentraler Themen, darunter:
- VPP‑Optimierung
- Der Wandel von der Energieerzeugung hin zur Flexibilität
- Europas physische Infrastruktur
- Mangel an intelligenten digitalen Märkten
- Austrian Power Grid & langfristige Modellierung
- Volatilität erneuerbarer Energien und zunehmende negative Preisstunden
- Batteriespeicher & Revenue Stacking
- Erlöspools und das Risiko einer Sättigung des Regelenergiemarktes
- KI vs. fortgeschrittene Analytik in VPPs
- Bankability und Risiko
Energiemärkte im Wandel: Von Erzeugung hin zu Flexibilität
Eine zentrale Erkenntnis aus der Diskussion ist der grundlegende Wandel von der Energieerzeugung hin zu einer wertschöpfungsgetriebenen Flexibilitätsstrategie. Mit zunehmendem Anteil erneuerbarer Energien reicht die traditionelle Infrastruktur allein nicht mehr aus.
Die Referent:innen betonen die wachsende Spannung zwischen:
- physischer Infrastruktur („Kupfer im Boden“)
- digitaler Optimierung und Marktintegration („Code in der Cloud“)
Während der Netzausbau weiterhin entscheidend bleibt, gewinnen intelligente digitale Märkte, Echtzeitdaten und fortschrittliche Optimierung zunehmend an Bedeutung, um Systemstabilität und Effizienz sicherzustellen.
Virtuelle Kraftwerke, KI und fortgeschrittene Optimierung
Die Optimierung virtueller Kraftwerke (VPP) ist ein zentraler Hebel zur Nutzung dezentraler Flexibilität. Der Podcast beleuchtet, ob künstliche Intelligenz oder fortgeschrittene statistische Methoden die entscheidenden Treiber für Leistungsverbesserungen sind.
Die Diskussion hebt hervor:
- die Bedeutung qualitativ hochwertiger Daten und präziser Prognosen
- die Rolle robuster Analytik und Handelsstrategien
- die Notwendigkeit von Echtzeit-Reaktionsfähigkeit über mehrere Märkte hinweg
Dies verdeutlicht einen übergeordneten Branchentrend: Wert entsteht nicht mehr nur durch Assets selbst, sondern durch deren intelligente Betriebsführung.
Der Business Case für BESS in Österreich
Batteriespeicher sind ein zentraler Baustein für Flexibilität. In Österreich basieren BESS-Projekte zunehmend auf Revenue-Stacking-Strategien, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein.
Zu den wichtigsten Erlösquellen zählen:
- Primärregelreserve (PRL)
- Sekundärregelreserve (SRL)
- Intraday- und Ausgleichsenergiemärkte
Gleichzeitig warnen Rosenzopf und Candellari vor einer zunehmenden Sättigung der Regelenergiemärkte. Diversifizierung und Optimierung werden daher entscheidend für die langfristige Bankability von Projekten.
Negative Strompreise: eine wachsende Herausforderung
Der steigende Anteil erneuerbarer Energien führt insbesondere in Mitteleuropa zu einer deutlichen Zunahme negativer Strompreisstunden.
Wie im Podcast hervorgehoben:
- Österreich verzeichnete rund 400 Stunden mit negativen Preisen
- Deutschland etwa 600 Stunden
Laut Thomas Rosenzopf dürfte dieser Trend seinen Höhepunkt in den späten 2020er- oder frühen 2030er-Jahren erreichen, bevor er sich stabilisiert, sobald Demand-side-Flexibilität und Speicherlösungen weiter ausgebaut werden.
Eine wichtige Erkenntnis ist die starke Variation zwischen europäischen Märkten:
- Deutschland verzeichnet häufig negative Strompreise, bedingt durch einen hohen Anteil erneuerbarer Energien
- Italien hingegen kaum negative Preise, was vor allem auf unterschiedliche regulatorische Rahmenbedingungen und Anreizsysteme zurückzuführen ist
Dies unterstreicht einen entscheidenden Punkt für Investor:innen und Betreiber:innen: Marktdesign ist ebenso relevant wie Technologie.
Infrastruktur vs. Marktdesign: Flexibilität in CEE erschließen
Für die CEE‑Region geht die Diskussion über reine Technologie hinaus. Ein zentrales Thema ist, dass Netzflexibilität nicht nur ein Hardware‑Problem ist.
Um Flexibilität zu erschließen, braucht es vielmehr:
- eine bessere Koordination zwischen den Marktteilnehmer:innen
- mehr Datentransparenz
- effizientere und zugänglichere Marktstrukturen
Warum das jetzt entscheidend ist
Mit dem Fortschritt der Energiewende in Europa wird das Zusammenspiel von Batteriespeichern, digitalen Plattformen und innovativen Marktmechanismen die nächste Phase des Energiesystems prägen.
Diese Podcastfolge liefert wertvolle, praxisnahe Einblicke für:
- Energieversorger und Asset‑Owner
- Energiehändler und Aggregatoren
- Investor:innen, die BESS‑Projekte evaluieren
- politische Entscheidungsträger:innen, die zukünftige Marktmodelle gestalten

